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Bericht

Lac bin el Quidane - Mythos versus Realität

Fast ein Jahr im Voraus gebucht, konnte ich den Trip an den Lac bin el Quidane in Marokko kaum noch erwarten. Die unglaublichen Berichte, die man im Vorfeld liest, entfachten hohe Erwartungen an diesen Trip. Was würde mich vor Ort wirklich erwarten, hab ich alles dabei und hoffentlich geht alles bei der Kontrolle am Flughafen gut. Solche Gedanken kreisten die letzten Tage vor dem Abflug ständig in meinem Kopf herum. Hier mal ein Bericht, wie es am Ende gekommen ist ...


Die Anreise

Am Basislager

Die Planung der Anreise beginnt schon damit, sich die normal zu Verfügung stehenden 20 kg sehr gut einzuteilen. Auch muss man sich gut überlegen, was man mit ins Handgepäck nimmt und was nicht. Einige haben zur Sicherheit ihre Rollen im Handgepäck, falls das Gepäck nicht rechtzeitig ankommt. Hierbei ist aber zu beachten, dass man die Spulen unbedingt mit dem Gepäck aufgibt, da es sonst passieren kann, dass einem am Flughafen die gesamte Schnur von den Spulen geschnitten wird. Ich selbst hatte die Rollen komplett im Gepäck, dafür aber die Bleie im Handgepäck. Nach kritischer Begutachtung an der Personenkontrolle konnte ich allerdings passieren. Allerdings ergibt sich das gleiche Spielchen erneut am Flughafen in Marokko. Dort wurde noch mal das gesamte Gepäck durchleuchtet. Dort kann es wiederum passieren, dass ein Beamter einem die Rollen abluxen möchte. Mein Flug ging bereits am Fr Abend, um früh morgens bereits am See zu sein. Der Abholdienst stand auch wie Beschrieben am Flughafen mit einem Schild in der Hand bereit. Danach ging es dann auf eine doch schon recht abenteuerliche Fahrt zum See, den wir noch bei Dunkelheit erreichten. Erster Anlaufpunkt war das Basislager. Hier steht eine Art Zirkuszelt, indem auch einige Liegen bereit stehen. Hier kann man dann versuchen, bis zum Morgen noch etwas zu schlafen. Die Betonung liegt auf "versuchen". Denn das ohrenbetäubende Geschnarche von einem vorher bereits angekommenen Berliner Angler, im Kontrast zum ebenfalls ohrenbetäubenden Gequake der Millionen von Kröten (die einem den gesamten Trip lang begleiten werden !), ließen keine Sekunde Schlaf zu.


Der erste Tag

Am Morgen kam dann Mark ins Camp und es begannen natürlich die Diskussionen, welchen Abschnitt man denn als ersten befischen sollte. Auch Mark konnte da einem nicht wirklich eine Empfehlung geben, da in der gesamten Vorwoche nicht ein einziger Fisch gefangen wurde. Somit erübrigte sich bereits die Frage, wo sich die Fische denn zu Zeit aufhalten. Kurz und knapp gesagt ist die Platzwahl reine Glücksache, vor Allem wenn man das erste Mal am See ist und die Bereiche im Hinteren Teil des Sees noch gar nicht kennt. Dann fällt es natürlich schwer zu sagen, auf welchen Platz man möchte. Interessant zu erwähnen ist es hierbei, dass gar nicht der gesamte See zur Verfügung steht, sondern sich die Fischereirechte auf den Bereich des Basiscamps, die Abschnitte links davon und gegenüber beziehen. In Richtung der Staumauer kann gar nicht gefischt werden. Dadurch stehen einem zwar immer noch eine Vielzahl von möglichen Angelstellen bereit, allerdings befinden sich in der Regel auch deutlich mehr als die 10 in der Werbung angekündigten Camps am See. Die Reduzierte Fläche und die höhere Zahl an Camp (zu meiner Zeit waren es etwa 20 !) führte dann zu meiner großen überraschung dazu, dass man sich buchstäblich auf den Füßen saß ! Ich war eigentlich davon ausgegangen, dass man dort seine Ruhe hat und vielleicht nur in der Ferne mal ein anderes Camp sieht. Problematisch dabei war auch, dass nur ein bestimmter Teil des Sees Fisch gebracht hat, und dieser Teil voll besetzt war. Der Rest hat meist geblankt und konnte nur darauf warten, dass in dem besagten Teil vielleicht doch mal ein Platz frei wird.


Das Material

Ruten, RodPod und Boot

Wichtig zu erwähnen ist natürlich das Material welches man dort geliehen bekommt. Das man nicht Gerätschaften von bekannten englischen Edelschmieden bekommt, sollte einem auf jeden Fall vorher schon klar sein. Ist auch nicht weiter tragisch, das Material erfüllt auf jeden Fall seinen Zweck. Im Prinzip war ich sogar froh hinterher, dass nicht mein eigenes Material verwenden musste, weil das gesamte Tackle dort aufgrund der äußeren Bedingungen einer ziemlichen Abnutzung unterliegt, und natürlich fast rund ums Jahr im Dauereinsatz ist. Durch die ständigen Umzüge ist besonders das Zelt in der Regel schon arg verschlissen. Was die Ruten anbetrifft, so bekommt man eine briete Palette. Es waren von 12' 2,5 lbs bis 13' 3,5 lbs alles im Einsatz. Es entspricht wohl mehr dem Zufall, was man für Ruten bekommt. Bei den Ruten allerdings kann es wirklich zu Problemen durch die Abnutzung kommen. So hatte ich eine Rute, bei der ein Stück des Spitzenrings rausgeplatz war. Das ist mir aufgefallen, als mir meine monofile Schlagschnur beim Einholen in dünnen Fetzen entgegen kam. Bei einem Drill hätte das mit Sicherheit zu einem Schnurbruch geführt. Also sollte man besonders die Ruten vor dem Fischen in Augenschein nehmen. Ansonsten war das Material brauchbar. Man bekommt neben dem Zelt und drei Ruten noch eine Liege, einen Kescher ein 2,30 m Boot mit Cuda Echolot, einen Gaskocher mit großer Gasflasche, eine Kühltruhe, eine Chemietoilette und Kochgeschirr. Außerdem bekommt man ein RodPod, wobei es ratsam ist, von vorherein Banksticks mitzunehmen, da man damit einen größeren Bereich abdecken kann, was sich als sehr vorteilhaft erwiesen hat.


(Umzugs-)Service und Verpflegung

Die Küchenabteilung

Den Service auf diesem Angeltrip kann man durchaus als gut bezeichnen. Die Helfer kommen zwei Mal am Tag vorbei. Am Vormittag bekommt man Fladenbrot, Eier und etwas für den Tag, sowie die Bestellung vom Vortag. Außerdem eine Flasche mit gefrorenem Wasser als Kühlakku für die Kühlbox. Am Nachmittag bekommt man das Abendessen. Man hat also auch zwei Mal die Gelegenheit, etwas zu bestellen. Die Abwechslung bzgl. Das Essen lässt allerdings etwas zu wünschen übrig. Es gibt eigentlich nur zwei verschiedene Gerichte. Am Häufigsten bekommt man Kartoffel- und Möhrenstücke mit Hühnerfleisch, am nächsten Tag das Gleiche mit Schweinefleich, oder ein Halbes Huhn mit Kartoffeln und Erbsen. Zum Frühstück gibt es Fladenbrot, Nutella oder Marmelade. Ach ja, und jede Menge Eier ! Man sollte sich übrigens am Besten immer selbst notieren, was man bestellt bzw. bekommen hat (Wasser, Cola, Zigaretten, Wein etc.), denn sonst kann es bei der Abrechnung hinterher zu einer überraschung kommen. Es wird einem immer ganz gerne mal mehr berechnet. Wenn die Verpflegung gebracht wird, kann man außerdem den Wunsch äußern, den Platz zu wechseln. Das hat dann in meinem Fall auch immer ganz gut geklappt. Ein Helfer kommt dann, beläd das Boot und fährt einen zu einem anderen Platz, wo er dann in der Regel auch beim Aufbau hilft.


Einflussfaktoren auf das Fischen

Schwimmender Drecksteppich

Besonders interessant sind natürlich die Einflussfaktoren auf das Beißverhalten der Karpfen im Bin el Quidane. Man kann generell sagen, dass sich die Karpfen dort genau Gegenteilig verhalten, als man es aus den meisten anderen Gewässern her kennt. Die Karpfen scheinen fast ausschließlich nach Sicht nach Nahrung zu suchen. Alles, was die Sicht im wahrsten Sinne des Wortes trübt, scheint die Karpfen dort abzuschrecken. Steht der Wind dort zum Beispiel genau auf Ufer, wird dort viel Schlamm aufgewirbelt, der den gesamten Uferbereich eintrübt. Ich habe nicht gehört, dass auch nur ein einziger Karpfen in einem solchen Bereich gefangen wurde. Meist wurden sie sogar in einer der vom Wind abseits gelegenen Buchten gefangen. Ein weiteres Unheil, was die Karpfen abzuschrecken zu scheint, sind teilweise riesige Teppiche aus treibenden Holzstückchen, die vom Wind an ein bestimmtes Ufer getrieben werden. Diese Teppiche sind wie die Pest. Sie sind so dick, dass sogar Steine darauf liegen bleiben ! Sie treiben durch die stark wechselnden Windrichtungen immer hin und her. Abends ist dein Ufer frei, und morgens kommst du aus dem Zelt und kannst vor lauter Holz kein Wasser mehr sehen. Auch diese Teppiche schrecken die Karpfen ganz offenbar ab. Ich hab nur ein Paar Karpfen in einem solchen Teppich laichen sehen. Ansonsten ist mir kein Fang an einem betroffenen Ufer bekannt. In manch anderen Gewässern, wie z.B. dem Cassien, ziehen die Karpfen mit solchen Dreckteppichen mit. Nicht so am Quin ! Noch ein Tipp: nehmt nach Möglichkeit nicht eure besten Rollen mit. Es kommen gelegentlich sehr heftige Sandstürme auf. Diese sollen schon so manche Rolle unbrauchbar gemacht haben. Ich habe einen solchen Sturm erlebt. Dabei ziehen dichte Sandwolken wie Tornados durch die Gegend. Mich haben sie zum Glück knapp verfehlt. Tagsüber merkt man schon sehr deutlich, dass man sich in Afrika befinden. Die Sonne brennt schon Ende März sehr heftig. Sonnenmilch ist ein Muss ! Nachts wird es angenehm kühl, da man sich ja im Gebirge befindet. Allerdings birgt das auch so seine Gefahren. Wenn es im Frühjahr noch mal kalt wird und oben auf den Bergen sogar schneit, kann es passieren, dass plötzlich das gesamte Schmelzwasser in den See läuft. Die Reaktionen der Fische kann sich sicherlich jeder selbst ausmalen.


Die Einheimischen

Einheimischer Hirte

Obwohl der Lac bin el Quidane weitab jeglicher Zivilisation liegt, gibt es ringsum doch ein paar Dörfchen. Der See ist daher auch eine Art Ausflugsziel für Einheimische. Außerdem gibt es dort viele Hirten, die ihre Ziegenherden direkt am See und selbst auf den Inseln halten. Daher kommt man doch des öfteren mit Einheimischen in Kontakt. Dabei merkt man dann schon sehr schnell, dass man sich in einem Dritte-Welt-Land befindet. Kinder werden da ganz gerne mal zum Betteln vorgeschickt. Man wird sie allerdings recht schnell wieder los, wenn man ihnen etwas zu Essen gibt (davon hat man da definitiv genug). Auch die Hirten freuen sich sehr, wenn man ihnen etwas abgibt. Wenn man ihnen dort etwas entgegen kommt trägt das sicherlich auch zu einer positiven Stimmung unter den Einheimischen gegenüber den angelnden Gästen aus Europa bei.


Die Abreise

Marokkanische Toilette

Auch die Längste Session findet mal ihr Ende, so auch die Tour an den Quin. Je nach dem, wann der Rückflug geht, steht vorher noch ein bestimmtes "Programm" auf dem Plan. Nachdem man alles verpackt hat und die Helfer einen abgeholt und zum Basislager zurück gebracht haben, geht es erstmal in das nächstgelegene Dorf. Dort bekommt man die Gelegenheit, vor dem Rückflug in einem Hotel zu duschen, damit man im Flugzeug nicht stinkt wie ein Iltis. Es ist durchaus mal ein Erlebnis, in der Provinz ein "Hotel" zu besichtigen. Besonders interessant dürften vor allem für die Frauen die sanitären Einrichtungen, also die Toilette sein. Nachdem man sich nun also frisch gemacht hat und fertig für die Rückkehr in die Zivilisation ist, gibt es ein Abschiedsessen beim Chef persönlich. Und ratet mal, was es bei uns gab ... Huhn und Fladenbrot !


Fazit

Atlaskarpfen

Schon während der 12 Tage hatte ich viel Zeit, über den Sinn und Zweck dieser Reise nachzudenken und über die falschen Vorstellungen und Erwartungen, mit denen ich und auch die meisten anderen angereist waren. Gerade die hohen Erwartungen waren es, die erstmal ziemliche Enttäuschung in mir auslösten. Mit etwas Abstand komme ich allerdings zu einem anderen Fazit. Ganz wichtig ist es, mit der richtigen Einstellung und Erwartung auf diese Reise zu gehen. Wer denkt, dort richtig abzuräumen, am Tag zwanzig 30ger und ein paar 40ger zu fangen, wie es viele der bekannten Berichte erwarten lassen, der wird mit recht hoher Wahrscheinlichkeit ziemlich enttäuscht werden. Man muss diese Reise in allererster Linie als Abenteuerurlaub ansehen, nichts anderes ist es. Man stößt dort auf Probleme, wie an jedem anderen Karpfengewässer auch, wie z.B. es wird gut gefangen, aber in dem Abschnitt ist einfach kein Platz mehr frei, oder die Fische sind einfach nicht in Fresslaune. Allerdings, wenn man das entsprechende Glück hat, dort zu sitzen, wo zu der Zeit einer dieser riesigen Schwärme vorbeizieht, dann wird man dort mit Sicherheit die Tour seines Lebens erleben, denn der Fischbestand ist wirklich phänomenal ! Aber es gehört auch an diesem See viel Arbeit und Geduld dazu, den Fisch zu finden, oder einfach eine große Portion Glück.

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